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Biester sind sehr biestig miteinander

„Der Kleine und das Biest“

Kennt ihr den wunderbaren und mehrfach preisgekrönten Animationsfilm „Der Kleine und das Biest“ von Johannes Weiland und Uwe Heidschötter?
Er fiel mir am Wochenende wieder ein, als ich in einem Fachbuch zur Beratung von Patchworkfamilien* nachschlug. Im Abschnitt „Besondere Herausforderungen“ stehen dort unter anderem die Dauerkonflikte, also Konflikte, die länger als zwei Jahre andauern. Eine Auswirkung dieser Endlos-Konflikte ist die Dämonisierung der Expartner*Innen und, in der Folge, die Gefährdung der Gesundheit der Kinder.
Beim Begriff „Dämonisierung“ musste ich an den Film „Der Kleine und das Biest“, nach dem gleichnamigen Bilderbuch von Marcus Sauermann und Uwe Heidschötter denken. Er ist aus dem Jahre 2017, also nicht mehr ganz neu aber er wird wohl nicht so bald an Aktualität verlieren.

Jedesmal wenn ich ihn sehe, zerreißt es mir das Herz und wenn ich dann kurz vergesse, dass ich Therapeutin bin, frage ich mich, warum es soooo vielen Eltern leichter fällt, sich von ihren Kindern therapieren zu lassen als von einer Fachfrau*mann.
Böse, ich weiß!

Aber oft vergessen wir Großen, vollkommen weggespült von den eigenen Gefühlen, wie sich unsere „Verbiesterung“ auf unsere Kinder auswirkt und das zeigt der Film – radikal aus der Sicht des kleinen Jungen Haro erzählt. Seine Eltern mutieren zu Biestern und das ist für Haro das wesentlich grössere Problem als die Scheidung seiner Eltern, denn „Wenn Deine Mutter sich in ein Biest verwandelt hat, ist vieles anders.“

 

Seht selbst:

„Der Kleine und das Biest“   Dieser Link führt euch in die ZDF Mediathek

   

 

2017 erhielt „Der Kleine und das Biest“die Auszeichnun Cartoon’Or für den besten europäischen Animationskurzfilm

 

Wieviel Gefühl ist für unsere Kinder auszuhalten?

Tragisch, oder?
Und klar, nach einer Trennung steckt man in so manchem Gefühlstaumel und natürlich spüren unsere Kinder, dass es uns nicht gut geht. Das können wir nicht verhindern und wir sollten uns auch nicht verstellen oder unseren Kleinen erzählen, es wäre alles in Ordnung.
Sie würden es uns entweder nicht glauben oder sie denken, dass das was sie spüren nicht richtig ist – sie sich folglich nicht auf ihr Gespür verlassen können. Auch blöd!

Aber was dann? Ihnen all‘ unsere Gefühlslagen zumuten?
Die Wahrheit ist mal wieder nicht ganz so einfach. Wenn wir traurig sind, dann ist dies eine existentielle Tatsache und sie bedarf keiner Wertung oder Verleugnung.
Die Frage ist nur, von wem wir uns helfen lassen? Und hier ist die eindeutige Antwort: „Nicht von unseren Kindern!“

Wenn wir vor unseren Kindern einmal traurig sind, ist das so und sie werden uns natürlich fragen, was los ist oder auf unseren Schoß rutschen und versuchen uns zu trösten.
Und hier fängt unsere übergeordnete, elterliche Verantwortung an:
Ich kann meinem Kind z.B. mit ein, zwei altersentsprechenden Sätzen sagen:
„Ja, ich bin im Moment traurig, weil das alles nicht so läuft, wie ich mir das gewünscht habe! Du hast Dir das bestimmt auch anders vorgestellt, oder?“
Durch diese Offenheit kann Nähe entstehen und mein Kind kann sich mit seinen Gefühlen zeigen.
Danach ist es wichtig, dass ich für meine persönlichen Gefühle Verantwortung übernehme und mir adäquate Hilfe suche und mein Kind das miterleben darf.
Nach dem Motto „Ah, das kann man alles tun, wenn man traurig ist!“

  • Mit einer guten Freund*In sprechen
  • Freiraum verschaffen, um zu reflektieren
  • Mir eine professionelle Unterstützung in Form einer Beratung oder Therapie suchen
  • etc.

Auch hier heißt Verantwortung, dass wir als Eltern eben diese tragen und wenn uns die Last zu schwer wird, dass wir uns Hilfe suchen.

 

*Patchworkfamilien, Beratung und Therapie von Thomas Hess und Claudia Starke

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