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Alles wächst und gedeiht

Schwanger und nicht immer glücklich

Teil 6 „Versprochen ist versprochen…“      Nur unsere Paar-Beziehung nicht. Ein gemeinsames Ziel war nicht in Sicht und es war, als hätte irgend jemand in unserer Bonusfamilie die Pausetaste gedrückt.

Die ersten Monate meiner zweiten Schwangerschaft waren alles andere als leicht. Ich hatte das Gefühl vieles alleine machen zu müssen – genauer gesagt:
Ich traute mich mit vielem nicht zu meinem Mann:
Suchte mir alleine eine Beleghebamme, ging alleine zu den ersten Vorsorgeterminen und verbarg sogar meinen Babybauch.
Auch sonst hielt ich den Ball flach und die Füße still.
Ich wollte mich ihm nicht zumuten und mutete mir zu viel zu – das ging nicht lange gut.

Die Lage spitzt sich zu

Das erste Mal heulte ich im Schatten der Zugspitze unter der Dusche eines Hotelzimmers. Mein Großer und ich begleiteten meinen Mann auf einer Geschäftsreise.
Der Plan war: Jan verdient Geld und wir geben es aus – eigentlich ganz nett!

An einem Abend kamen wir durchgefroren und nass aus der Partnachklamm wieder im Hotel an. Mein Mann stand im Bad und rasierte sich und ich wollte nur noch raus aus den nassen Klamotten und unter die heiße Dusche. Im Spiegel sah ich Jans Blick, der meinen nackten Babybauch taxierte und mir wurde noch viel kälter.
Ich blieb unter der Dusche bis er aus dem Bad war und war heil froh, dass er an diesem Abend mit seinen Kollegen verabredet war.
Ich schlüpfte unter die Bettdecke und war dankbar, dass der Zimmerservice meinen Großen und mich abfütterte und das TV-Gerät zumindest einen von uns beiden in den Bann zog.

Ruhe vor dem Sturm

Wir waren mal wieder verstummt, mieden den Austausch und schlichen uns auf leisen Sohlen aus dem Kontakt. Ein Muster das wir langsam kennen sollten – das taten wir “gerne”, wenn wir Angst vor Konflikten hatten.

Irgendwie logisch aber …

Immer wenn wir uns Harmonie wünschten, vermieden wir den “Nahkampf”.
Wir hatten normalerweise keine wirkliche Angst vor der Auseinandersetzung. Wir hatten inzwischen so oft die Erfahrung gemacht, dass wir gut miteinander reden konnten und nur selten in Machtkämpfe verfielen.
Trotzdem war die Angst im Moment offensichtlich so groß, dass uns diese anstehende Auseinandersetzung tatsächlich auseinanderdividieren könnte.
Und so übersprangen wir den drohenden Streit und waren uns gleich nicht mehr Nahe.

… auch irgendwie doof!

 

 


„Bei zwischenmenschlichen Beziehungen gibt es zwei Arten von Wärme: Schmelzwärme und Reibungswärme.

Die Schmelzwärme, die der Nähe, Fürsorge und Empfindsamkeit entspringt, erfreut sich zweifellos der größeren Beliebtheit, doch ist sie nicht wärmer als die Reibungswärme, die bei Auseinandersetzungen, Konflikten und Frustrationen entsteht.

Eine umfassende Herzlichkeit benötigt beides.”

Jesper Juul


 

In Hamburg war es dann vorbei mit der Stille. Ich war mittlerweile in der 20. SSW und es stand die “große Halbzeituntersuchung” an. Ich war schon 43. Jahre alt und vor solchen Terminen leicht unentspannt. Die Sorge, ob es meinem Kind auch wirklich gut ging, war dann sehr präsent.
Diesmal bestand ich darauf, dass mein Mann mitkommt. Ich wollte für diese anstehende Aufregung wenigstens seine beruhigende Hand, die ich während der Ultraschalluntersuchung zerquetschen konnte.
Ich ertrug diese Ewigkeit zwischen dem Auftreffen des eiskalten Ultraschallgels auf meinem Bauch, dem kritischen Arztblick auf den Monitor bis zur erhofften, erlösenden Botschaft, dass das Herzchen immer noch schlägt und alles an diesem kleinen Wesen dran ist, was zu diesem Zeitpunkt auch dran sein sollte, immer wenig heldinnenhaft.
Doch Jan kam und kam nicht bei und ich stieg mal wieder alleine ins Auto.

Ich war das erste Mal in dieser Zeit so wütend auf ihn, dass ich schäumte. Ich schimpfte und fluchte und diktierte noch im Auto eine Schimpftirade in mein Smartphone, die Siris Ohren rot werden ließen. Dennoch erfasste diese, die einzelnen Beleidigungen und Flüche erstaunlich präzise und hatte sie mit wenigen orthografischen Fehlern in eine SMS umgesetzt.
Danach ging es mir ein bisschen besser. Ich suchte einen Parkplatz und bevor ich ausstieg, las ich noch einmal meine vernichtende Botschaft.
Ich musste über meine eigene Boshaftigkeit grinsen und wollte, den schriftlichen Beweis ihrer Existenz gerade löschen, da, ich weiß bis heute nicht wie, tippte ich statt auf die Delete-Taste auf das Versenden-Symbol; als ob der Teufel, der mir noch auf der Schulter saß, meinen Finger ferngesteuert hätte.
OMG!
Und diese sch… SMS ließ sich nicht mehr löschen!!!
Am liebsten wäre ich ihr durchs nicht vorhandene Kabel gefolgt oder wenigstens auf der Stelle im Erdboden versunken.

Was nun?

Tja, erstmal alleine auf den Untersuchungsliege…

 

Wie die Geschichte weitergeht, erzähle ich euch ganz bald. Versprochen!

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