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Patchwork-Liebes-Beziehungen. Er liebt mich, es liebt mich nicht, ich liebe seine Ex nicht…

Frau mit Gänseblümchen. Sie reißt die Blätter für das Spiel "Er liebt mich, er liebt mich nicht…" aus.

Patchworkfamilien gründen sich fast immer auf Schmerz und Verlust. Sie entstehen, nachdem ein erstes Familienmodell gescheitert ist. Aus welchem Grunde auch immer.

Besonders schwierig ist die Patchwork-Familien-Neugründung für alle beteiligten, wenn sich die alte Familie vor Gericht streitet. Sorgerecht, Unterhaltsrecht und Umgangsrecht versuchen, auf der Ebene des Gesetze, etwas zu regeln, was auf der Beziehungsebene nicht geregelt werden konnte.

Keiner wird gewinnen!

Viele die diesen Text lesen und Kinder aus einer früheren Beziehung haben, wissen vermutlich um diese rechtliche Ebene.
Auch „die Neuen“ Partner*Innen kennen die bittere Wahrheit, die aus einer vorangegangener Trennung folgt:
„Sie müssen das akzeptieren, was man als Liebender eigentlich nicht hinnehmen kann, nämlich dass sie nie in jeder Hinsicht an erster Stelle stehen werden. Die Kinder und der Ex-Partner waren immer schon vorher da.“ (Zitat von Katharina Grünewald)


„Ein Abschied schmerzt immer, auch wenn man sich schon lange darauf freut.“

Arthur Schnitzler


Der grundlegende Unterschied zur Kernfamilie ist also: Wir können nicht davon ausgehen, dass zwischen allen Mitgliedern eine Beziehung besteht, die auf dem Gefühl der Liebe basiert.

Genau das ist es, was es häufig so schwierig macht!

Liebe ist in Bonusfamilien nicht immer der fruchtbare Boden, auf dem die Beziehungen wachsen und gedeihen.

Eine Liebesbeziehungen gibt es

  • zwischen den beiden Erwachsenen, die die Patchworkfamilie gründen,
  • zwischen der Mutter und ihren Kindern,
  • zwischen dem Vater und seinen Kindern,
  • und zwischen dem Patchworkpaar und deren gemeinsamen Kindern.

Nicht zwingend jedoch

  • zwischen dem Mann und den Kindern der Frau,
  • zwischen der Frau und den Kindern des Mannes,
  • und auch nicht zwischen den jeweiligen Kindern.

Aus diesem Grund können wir nicht erwarten, dass eine Patchworkfamilie in der gleichen Art und Weise funktioniert, wie eine Kernfamilie.


„Fang nochmal von vorne an
Denn
Liebe ist alles
Alles, was wir brauchen
Lass es Liebe sein“

Rosenstolz


Hingegen gelten andere Prinzipien einer Kernfamilie auch für Bonusfamilien, wie zum Beispiel:
„Das Beste, was Du für Deine Kinder tun kannst ist, Dich gut um die Erwachsenenbeziehung zu kümmern. Sie ist das erste Kind der Familie.”

Bonusfamilie versus Kernfamilie

Es gibt jedoch Unterschiede, die besondere Umsicht und vielleicht auch spezielle Traditionen brauchen. In Patchworkfamilien haben wir zwei Erwachsene, die einen gemeinsamen Traum „von Familie“ haben. Es ist IHR Traum – der Traum der Erwachsenen!
Das Risiko, dass die Kinder sich diesem Traum entgegenstellen ist in einer Patchworkfamilie da – in einer Kernfamilie nicht!

Die Qualität der zwischenmenschlichen Beziehungen ist der wichtigste Faktor für das Gelingen einer Patchworkfamile. Diese Qualität entscheidet, ob sich alle wohl fühlen und ihren Platz im neuen Familiensystem finden.

Beziehungen aller Art!

Liebesbeziehungen, Herzensverbindungen, Beziehungen die erst einmal wachsen müssen und solche, die nicht gelingen.

Wir sind mit neuen Beziehungen konfrontiert, die sich deutlich voneinander unterscheiden:

  • eine Liebesbeziehung zwischen den Partner*Innen
  • Herzensverbindungen zwischen den Eltern und ihren Kindern
  • Beziehungen die erst wachsen müssen, wie zum Beispiel zwischen den Kindern und ihren neuen Bonuseltern
    und
  • Beziehungen, die wir nicht wirklich wollen… zum Beispiel zu den Ex-Partner*innen.

Bis auf die Paarbeziehung, sind diese neuen Beziehungen wie gesagt nicht von den Beteiligten selbst gewählt und stehen am Anfang ihrer Entwicklung.

Welches Ziel sich alle für diese Beziehungen wünschen, ist ebenfalls unterschiedlich und alleine schon davon abhängig, wie engmaschig diese Menschen in unserem zukünftigen Alltag verwoben sind.
Mit den Kindern der neuen Liebespartner*In, leben wir, zumindest zeitweise, in den gleichen vier Wänden, während wir deren Großeltern unter Umständen nie kennenlernen werden.


„Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“

Martin Buber


Manchmal fällt es uns leicht mit unserem neuen Familienzuwachs „in Beziehung“ zu gehen. Zum Beispiel weil ein Kinder unser Hobby teilt und uns deshalb der Einstieg ins Miteinander über diese gemeinsame Welt gut gelingt.
Ein anderes mal sind wir vielleicht sehr herausgefordert, weil uns der andere “befremdlich” vorkommt.

Manchmal haben wir gute Voraussetzungen für unser Zusammensein, manchmal schlechte.
Es ist von vielem abhängig, ob Beziehungen gelingen. Auf manches haben wir persönlich Einfluss, auf manches nicht. 

Fest steht, dass mit diesem Entwicklungsprozess viele Unsicherheiten und Gefühle verbunden sind.

  • Wo finde ich Platz?
  • Was ist mir zu eng?
  • Was wünsche ich mir?
  • Wann fühle ich mich ausgeschlossen?
  • Was möchte ich verändern?

Diese und viele Fragen mehr bilden einen Gefühlscocktail, der uns nicht selten ins wanken bringt. Da ist es für viele von uns verlockend sich in Rollen zu flüchten, oder händeringend nach Regeln zu suchen, die uns schwierige Situationen ersparen sollen.

Zu „Rollenspielen“ jeglicher Art könnt ihr mehr ihm nächsten Blogbeitrag lesen!
Bis dahin!

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