Patchworkfamilie – Bonus oder Bürde?

Abgebildet ist ein Stapel an Patchworkdecken. Ob wir unsere Patchworkfamilie als Flick- oder Kunstwerk empfinden, entscheidet unsere Sicht auf sie.

In den Medien wird uns meist die schillernde Seite des Patchwork-Familienlebens gezeigt — klar, die ist ja auch unterhaltsamer. Serien wie Modern Family haben das Patchwork-Leben salonfähig gemacht: witzig, warm, am Ende immer irgendwie versöhnlich. Und auch im echten Promi-Leben sind Bonusfamilien längst kein Tabu mehr — Veronica Ferres und Carsten Maschmeyer etwa sprechen offen darüber, wie ihre Kinder die neuen Partner jahrelang abgelehnt haben, bevor wirklich zusammenwachsen konnte, was – ihrer Meinung nach – zusammengehört.

Patchwork ist normal geworden. Aber dennoch schwierig — denn was in der Serie am Ende jeder Folge aufgelöst wird, braucht im echten Leben manchmal Jahre.

Eine Bestandsaufnahme für eure Bonusfamilie

Habt ihr Euch schon einmal bewusst gefragt, wer genau zu eurer Patchwork-Familie gehört? Nein, im Ernst, sich folgende Fragen als Mitglied einer Patchworkfamilie zu beantworten, kann sehr aufschlussreich sein!

Diese Reflexions-Fragen können helfen:

  • Wer gehört nach eurem Empfinden dazu?
  • Und wer nach dem Empfinden der anderen? Wie beantworten eure Partnerpersonen, Kinder, Ex-Partner*Innen, Eltern, Großeltern diese Frage?

Die “leitenden Aspekte” bei so einer Frage sind unsere Emotionen und das ist auch völlig in Ordnung!

  • Wen empfinde ich als dazugehörig und warum?
  • Welche Gefühle habe ich, wenn ich an diesen Menschen denke?
  • Wie ist meine Beziehung zu diesem Menschen?
  • Wodurch wurde diese Beziehung geprägt?

Wenn wir die Ergebnisse der einzelnen Mitglieder unserer Patchworkfamilie vergleichen, werden wir feststellen, dass es hierzu aus unterschiedlichen Perspektiven unterschiedliche Antworten gibt.

Ein Beispiel:

Der 7-jährige Nicolai, der im klassischen Residenzmodell zwischen dem Haushalt seiner Mutter und dem seines Vaters seit zwei Jahren hin und her wechselt, malt die neue Partnerin des Papas, die an Kinderwochenenden oft zu Besuch ist, nicht mit aufs Familienportrait.

Wie sieht das Nicolais Papa, wie seine Freundin und wie die Mutter des siebenjährigen? Wem versetzt diese Tatsache einen Stich?

Was macht es für Dich aus, dass Du jemanden zu Deiner Patchwork-Familie zählst?

Über diese Frage hinaus, hilft auch die Reflexion, über das eigene Erleben in diesem Familienmodell.

  • Was macht es mit Dir, Teil einer Patchworkfamilie zu sein?
  • Bist Du stolz?
  • Oder schämst Du Dich vielleicht sogar manchmal?

Je nachdem, wie lange wir schon in einem Patchwork-System leben, können auch hier die Antworten wieder sehr unterschiedlich ausfallen.

Traut euch

Mit allen Zugehörigen ins Gespräch zu kommen, kann sehr aufschlussreich und verbindend sein!
Geht mit Neugierde und Offenheit ins Gespräch.

 


„Gespräch ist gegenseitige distanzierte Berührung.“

Marie von Ebner-Eschenbach


 

Wenn wir wirklich daran interessiert sind, zu hören, wie es den Anderen in unserer Familie geht und wir fühlen können, dass dieses subjektive Empfinden in jedem Falle seine Berechtigung hat – denn mein Empfinden hat ja auch seine Berechtigung – dann ist ein wichtiger Schritt in Richtung „Miteinander“ getan!

 

 

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